Zattoo: Technik Top, Marketing ein Flop?

Bei Linux-Betriebssystemen wird der Zattoo Player von Zattoo Web TV abgelöst. Eine browserbasierte Anwendung.
Vielen Freelancern ist Zattoo ein Begriff. Ein tolles Programm, das es ermöglicht auf dem PC Fernsehprogramme anzuschauen. Der Freelancer Blog berichtete. Seit Monaten stellt Zattoo immer leistungsfähigere Versionen kostenlos zur Verfügung. Nicht nur für die große Schar der Windows-Benutzer, sondern auch für die kleine Gruppe der Linux Nutzer. Und auch hier hat Zattoo noch differenziert. Es stellte Installationsprogramme für Debian- und Suse-Linuxe zur Verfügung. – IT-Spezis werden den enormen Aufwand der da betrieben wurde zu schätzen wissen.

Jetzt beschreitet Zattoo einen Weg, den andere Softwarehersteller schon vorher gegangen sind. Zattoo will mit seiner Software künftig auf Internet-Browsern aufsetzen. Aus Sicht des Softwareherstellers ein genialer Schritt. Und auch für Anwender ist das eine echte Erleichterung. Updates waren oftmals alles andere als einfach. Beispielsweise auf 64-Bit Linuxen konnte der Zattoo Player nur mit einigem Aufwand und Expertenwissen installiert werden. Die vielen Tutorials dokumentieren den Aufwand. All das Installationsgefummel fällt mit dem neuen Zattoo weg. Zudem ist das Fernsehbild im Browser auch noch größer als im alten Zattoo. – Einen zeitgemäßen PC vorausgesetzt.

Und wie nutzt Zattoo diesen Fortschritt werblich? – Gar nicht. Ganz im Gegenteil. Man lässt die Benutzer vor die Wand laufen und zieht völlig unnötig deren Zorn auf sich. Wenn Linux Nutzer derzeit ihren Zattoo Player starten möchten, erhalten sie die Meldung, dass ein Update zur Verfügung steht. Will sich der Benutzer das Update herunterladen, überrascht ihn die Folgemeldung, dass Zattoo für Linux nicht mehr zur Verfügung steht.
Kann man Benutzern eigentlich noch deutlicher den Mittelfinger zeigen? Wenn Zattoo überhaupt eine Marketing-Abteilung hat, dann hat sie hier offensichtlich keine Sternstunde gehabt.

Die reflexartige Reaktion derart verprellter Nutzer: Wütende Aufrufe in Foren, Zattoo mit bösen Emails die Hölle heiß zu machen. Ganz nach der Vorstellung, dass die Leute von Zattoo wieder Lust bekommt gutes zu tun, wenn man sie nur anständig beschimpft, öffentlich beleidigt und unter Druck setzt. Wahrscheinlich sind es nicht wenige, die diesen Aufrufen folgen. Dabei haben Produkte wie Zattoo nicht unwesentlich zur wachsenden Beliebtheit von Ubuntu beigetragen. Und nun erhält Zattoo nicht etwa Lob und Anerkennung, sondern Pranger und öffentliche Abstrafung. Da schämt man sich fast Ubuntu-Nutzer zu sein.
Die von Zattoo als Ersatz angebotene Browser-Variante wird von den vom Frust überwältigten Benutzern gar nicht wahrgenommen. – Eltern kennen das von ihren Zweijährigen. Man will das Lieblingsspielzeug nur kurz unter dem Wasserhahn abwaschen. Und obwohl man zur Stressvermeidung gleich das viel schönere Spielzeug hin hält, plärrt der Kleine doch nur wütend herum. Auch um diese Reaktionen eher schlicht gestrickter Benutzer muss ein Marketing-Profi doch wissen.

Traditionelles Marketing würde nach meiner bescheidenen Laienmeinung so aussehen, dass man die Nutzergemeinde zunächst über die Vorzüge des kommenden Produkts informiert. Das neue Zattoo Web TV dann als bessere Alternative anbietet. Und schließlich nach einiger Zeit die alte Software aus dem Verkehr zieht. Alle sind dann glücklich und Zattoo hat in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich gepunktet.

Oder handelt es sich hier etwa um eine ganz neue und viel listigere Variante von Marketing? Man lässt das eigene Agieren so bedauernswert schlecht aussehen, dass Blogger mitleidig in die Bresche springen, und eine Lanze für Zattoo brechen. Das wäre Marketing über Bande gespielt. Wahrlich neu, richtig preiswert und ganz schön raffiniert.
Ob bei Zattoo geniales Marketing betrieben wird, oder ob in der dortigen Marketing-Abteilung Mister Chance beschäftigt ist, bleibt spannend.

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