Bremen: Gerichtsprozesse in englischer Sprache.


Der Bremer Weser-Kurier machte heute mit einer Schlagzeile auf, die ziemliches Entsetzen auslöste. „Bremer Richter wollen Prozesse in Englisch.“ – In Englisch? Das macht neugierig. Plattdeutsch, das wäre evtl. noch nachvollziehbar, schließlich sendet Radio Bremen auch Nachrichten auf Platt, aber Englisch? – Haben wir noch das Nachrichten-Sommmerloch, die saure Grukenzeit für Journalisten? Oder ist die Meldung ein neuerlicher Beweis dafür, dass das kleinste Bundesland doch besser in einem Nordstaat aufgehen sollte? Fragen über Fragen, die einem augenblicklich durch den Kopf gehen.

Der Artikel ist dann doch eher enttäuschend. Keine vergeistigten und der realen Welt entrückte Bürokraten. Keine misanthropischen Juristen, die dem Hochadel und Klerus vergangener Zeiten gleich, in einer anderen Sprache als das Volk parlieren wollen. Des Rätsels Lösung: Man möchte Verfahren in internationalen Handelssachen in englischer Sprache führen. Es geht darum, dass dem Staat angeblich erhebliche Einnahmen verloren gehen, weil der überwiegende Teil der Handelsstreitigkeiten vor privaten Schiedsgerichten ausgetragen wird. Es geht also um eine Art juristische Geschäftsidee.

Dass es eine eher spröde Story in Bremen auf die Titelseite schafft, ist der Kreativität der Schlagzeilenproduzenten zu verdanken. Der Freelancer-Blog hat in der Vergangenheit bereits über die Neuausrichtung des Weser-Kurier berichtet. Für nüchterne, norddeutsche Zeitungsleser ein ganz neues Lesergefühl, durch reißerische Schlagzeilen aufgepeppte B-Stories auf der Titelseite zu finden.

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