Zensur bei Xing?

Nachdem Netzpolitik.org gestern mit der Frage nach der Datensicherheit bei den VZ-Netzwerken für Aufmerksamkeit sorgte, wäre heute vielleicht ein Blick auf die Probleme anderer sozialer Netzwerke interessant. Wie sieht es beispielsweise bei Xing mit der Meinungsfreiheit aus. Oder anders formuliert: Gibt es bei Xing Zensur?

Einerseits könnte man es als persönliches Pech abtun, wenn einem kritische Diskussionsbeiträge in Internetforen gelöscht werden. Andererseits eignet sich das Thema aber auch, um einmal grundsätzliche Fragen zum Thema Meinungsfreiheit zu stellen. Zumal dann, wenn es sich mit Xing um Deutschlands größtes Businessnetzwerk handelt, und der Betreiber zu größeren Teilen einem der großen deutschen Zeitschriftenverlage gehört: dem Burda Verlag.

Was war konkret los?
Ich habe innerhalb von Xing, in ein Forum mit dem Titel „Jobbörsen Linksammlung“, den Link zu unserer eigenen Jobbörse eingetragen. Eine Jobbörse, die keine kommerziellen Interessen verfolgt, sondern direkt zu den IT-Stellenausschreibungen der Unternehmen verlinkt.
Dieser Beitrag wurde von der Gruppenmoderation umgehend gelöscht. Begründet wurde die Löschung mit den Gruppenregeln. Meine Rückfrage, warum ausgerechnet mein Beitrag gelöscht wurde, alle anderen gleichartigen Beiträge aber nicht, wurde bis heute nicht beantwortet. Auch die Rückfrage an Xing, ob die Gruppenmoderation hier evtl. Mitglieder ungleich behandeln, wurde nicht konkret beantwortet. Der Beitrag blieb gelöscht.

Einige Tage später habe ich in der gleichen Gruppe einen Diskussionsbeitrag mit einer zugegebenermaßen etwas reißerischen Überschrift eingestellt. Nachlesen kann man ihn hier: Freelancer-Blog.
Dieser Beitrag überlebte nur wenige Minuten. Kommentar der Moderatoren: keiner.

Da eine Diskussion über die Meinungsfreiheit der Xing-Kunden innerhalb Xing selbst nicht möglich ist, muss sie außerhalb geführt werden. In den frei zugänglichen Medien, die zudem noch kostenlos zugänglich sind.

Meine Fragen:

Hält Xing seine nebenberuflichen Moderatoren an, Zensur auszuüben?
Sind Xing-Gruppen Tummelplätze von Interessengruppen, die andere Meinungen nicht zu Wort kommen lassen?

Ich würde mich freuen, wenn die großen und reichweitenstarken Internetmedien diese Diskussionen führen würden. Ein kleiner Freelancer-Blog für die Berufsgruppe von Freiberuflern aus der IT-Branche ist mit Diskussionen dieser Dimension vielleicht etwas überfordert. Nur noch einmal zur Erinnerung: Es ging darum, den Link zu einer nicht kommerziellen Jobbörse einzustellen. Das ist wahrscheinlich, in einer Xing-Gruppe für Personalmakler nicht erwünscht.
Viel Spaß beim Diskutieren.

PS.
Ob Xing-Kunden ein Kündigungsrecht haben, wenn ihre Beiträge einfach gelöscht werden?
Es hat schon ein wenig etwas von Masochismus: Da zahlt man bei Xing dafür, schlecht behandelt zu werden. 😉

5 Gedanken zu „Zensur bei Xing?

  1. Pingback: Meinungsfreiheit im Internet. « OpenProfiles

  2. Michael

    Hallo,
    nachdem ich kritische Kommentare in einem Forum äußerte, wuerde diese gelöscht. Beim ersten mal hiess es laut XING, man könne eine Löschung nicht nachvollziehen ohne Beweise, beim zweiten mal habe ich Screenshots mitgesandt und bin promt vom Moderator gekickt worden. Nach 5 Monaten Mitgliedschaft in Forum hiess es „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Moderation der Gruppe Ihrem Beitrittsgesuch nicht zugestimmt hat. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. “
    Artikel weg, Mitgliedschaft weg, auch eine Masche
    Michael

  3. rst2601

    Das beschriebene Problem ist letztlich nicht nur XING-tpisch. Dem Betreiber einer Website steht es frei, Regeln aufzustellen, Regeln zu ändern und kritische oder „unbequeme“ Inhalte zu veröffentlichen oder zu sperren. Natürlich kann man einem sozialen Netzwerk unterstellen, dass es Links, Meinungen oder Kommentare ungefiltert zulässt – wir reden aber unterm Strich auch nur über eine Website, die das Ziel hat, dem Unternehmen die notwendigen Umsätze einzuspielen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

  4. Stephan

    Normalerweise poste ich bei Xing keine Kommentare zu politischen Themen. Aktuell läuft aber eine „Umfrage“ auf Ding von Thomas Oppermann zum Boykott der WM wg. Putin. In der Diskussion dazu habe ich zwei kurze kritische Kommentare gepostet. Trump bashing blieb stehen aber andere politisch anscheinend unerwünschte Kritik wie: gehört so eine Umfrage auf Ding veröffentlicht, wurden gelöscht. Kritik an der Zensur wurde gelöscht. Daraufhin habe ich die Kündigung meiner Premium-Mitgliedschaft vollzogen und das gepostet. Natürlich gelöscht. Einfach unmöglich, so etwas hätte ich in China vermutet aber nicht in Deutschland. In Zukunft werde ich mein LinkedIn Profil pflegen und bei Ding als normales nicht zahlendes Mitglied einen Verweis dahin machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.